21.03.2016 - Varanasi, Einmal heilige Stadt, bitte
 

Eigentlich eine Schande schon wieder auszuchecken und aufzubrechen. Ich habe mich hier echt wohl gefühlt. Zumindest hatte ich meinen Flug auf nach den Mittag gelegt und konnte noch länger im Bett bleiben. Das Holiday Inn bietet einen kostenfreien Transfer zum Flughafen an. Daher konnte ich stressfrei mit der Limousine zum nahen Flughafen anreisen.

Beim Terminal muss man schon vor dem Betreten den dort postierten Soldaten die Buchungsbestätigung, Reservierungsnummer und Ausweis vorzeigen um reingelassen werden. Dann muss man direkt im Eingangsbereich das Gepäck durch einen dort aufgebauten Scanner schicken. Die Tasche, bzw. die Reisverschlüsse werden mir ner Art Kabelbinder verschlossen und es kommt ein Tag dran, das die Tasche durch die erste Kontrolle gekommen ist. Jetzt kann man zum Schalter zum Check In.

Bei Inlandsflügen gibt’s mit IndiGo Air ein Limit von 15 Kilo. Das wurde in meinem Fall auch recht penibel eingehalten. Ich musste nämlich für knapp 3 Kilo „Übergewicht“ extra zahlen.

Das ging aber nicht am Checkin Schalter. Nein. Der gedruckte Boarding Pass wurde nun von einem Mitarbeiter zu einem anderen Schalter befördert. Jetzt musste ich mich dort am Schalter anstellen und durfte meinen Obolus entrichten und bekam dann nach erfolgter Zahlung den Boarding Pass ausgehändigt. Auch hier wieder Verwaltung Verwaltung Verwaltung.

 

 

Im Terminal dann ein eher gewohntes Bild. All die gängigen Ketten die man so kennt waren vertreten und ich habe noch nen guten Kaffee und Croissants bei Starbucks zu mir genommen.

Das Gate habe ich dann auch schnell gefunden. Als dann die Boarding-Zeit dran war haben sich auch ganz viele Leute angestellt, es stand aber weit und breit keinerlei Info über Varanasi an irgendeiner der Schalter. Nach Scannen der Bordkarte wurden alle in bereitstehende Busse verfrachtet. Vor jeden Gate standen Busse. Am Bus stand aber auch nicht Varanasi dran. Ich bin einfach eingestiegen und habe einfach mal gehofft, das gleich mal jemand sagt „Willkommen im Bus nach Varanasi“ oder so. Also irgendwie war das alles ein klein wenig undurchsichtig und halb chaotisch. Dazu passte, das nun zwei Busse losfuhren, die Hälfte der Leute aber noch draußen stand und nicht mitgenommen wurde. Kurios kurios.

Das ich im richtigen Flieger war habe daran erkannt, dass der Pilot später beim Start was von Varanasi gefaselt hat. Durchsagen waren eigentlich auf Hindi. Auch das Englisch hörte sich an wie Hindi. Viel hab ich nicht verstanden. Bei einer der Durchsagen der Crew, die mehrmals hintereinander immer Dabuuu Dabuuu Dabuuu sagte, habe ich recht lange gebraucht bis der Groschen gefallen ist und ich wusste, dass die Frau eine Internetadresse durchgesagt hat und das eigentlich WWW heißen sollte.

 

 

Der Flug hat nicht lange gedauert und hat mich ereignislos nach Varanasi befördert. Von Varanasi wusste ich bisher nur, das im Lonely Planet stand, das Varanasi die wohl interessanteste Stadt in Indien sei, die einem „alle Sinne abverlangt“. Eigentlich habe ich die Stadt auch nur wegen dieser Aufmerksamkeit heischenden Formulierung mit in den Reiseplan aufgenommen.

Der Flughafen ist recht überschaubar. Linke Tür Abflug, rechte Tür Ankunft. So in etwa.

Das Hotel „Shree Ganesha Palace“ bot auf der Webseite einen Transport vom Flughafen an. Ich hatte die angeschrieben mit den Flugdaten und darum gebeten mich abzuholen. Ich habe auch eine Antwort bekommen, das der Fahrer zur angegebenen Zeit da sein wird. Auf meine Rückfrage wo denn der Fahrer sein wird und wie ich ihn erkenne, habe ich dann keine Antwort mehr erhalten. Vor Ort hat sich dann aber alles von selbst geklärt. Es gab nur einen Ausgang und dahinter stand schon ein Mann mit einen „Mr. Steinke“ – Schild. Vorbildlich. Und hui. Hier hatte es ein paar Grad mehr als in Delhi. War kuschelig warm.

Der Flughafen ist recht weit von der Stadt entfernt und wir sind die meiste Zeit über Land durch eine Baustelle gefahren. Offenbar wird die Straße gerade von 2-Spurige Landstraße zu 4-Spurige Landstraße heraufgestuft.

 

 

Auf dem Weg durchs Stadtgebiet habe ich auch das eine oder andere der Hotels gesehen, die ich bei Booking gefunden hatte. Hatten alle eines gemein. Sie sind weit weg vom Trubel am Wasser und den Ghats. Bis dahin sind wir nämlich noch längere Zeit auf verschlungenen Wegen durch die Stadt gekurvt. Plötzlich standen wir mit dem Auto mitten Basarchaos. Die nächsten hundert Meter ging es in Schleichgeschwindigkeit zusammen mit Menschen, Mopeds, Fahrrädern, Rikschas und noch mehr Menschen und Hupen und Schimpfen vorwärts. Plötzlich ist der Fahrer mitten im Betrieb an die Seite gerollt und meinte : Wir sind da. Und siehe da, durch einen schmalen Durchgang hindurch konnte man die Unterkunft sehen.

Das war jetzt insofern garnicht schlecht, als dadurch, das das Haus zurückgesetzt von der Main Road war, hier auch kein Lärm war. Das Shree Ganesha Palace wird von Zwillingsbrüdern geführt. Chiraq und den Namen des anderen habe ich vergessen. Ist aber auch egal, ich habe die beiden eh immer verwechselt. Beim Check In gabs nun einen offenbar oft geprobten Ablauf. Anhand von einer Checkliste, auf der alle Infos zum Hotel, zum Zimmer, wie man warmes Wasser kriegt, wo das Hotel liegt, welche WLANs mit welchen Logins es gibt und was es für Sehenswürdigkeiten gibt, verzeichnet waren, bekam man alles in Windeseile erklärt. War fast ein richtiges Briefing. Es blieben eigentlich keine Fragen offen.

 

 

Das Zimmer hatte ich mir jetzt größer vorgestellt. Großes Bett und Schrank und Kühlschrank passten zwar rein, aber es war fast kein Platz mehr für das Gepäck. Das Bad war dafür groß und OK.

Jetzt war es schon fast spät am Nachmittag und ich bin wieder raus auf die Straße um mich ins Getümmel zu werfen. Um von hier zum Main Ghat (mit dem schwierigen Namen Dashashwamegh Ghat) zu kommen, musste man nur ganz einfach mit der Menge mitschwimmen und sich zweihundert Meter geradeaus treiben lassen. Unfassbar was hier los war. In einem unendlichen Strom aus Menschen, Mopeds, Rikschas und wasweissichnoch habe ich versucht vorwärts zu kommen. Das ist mir auch nur ganz langsam gelungen. Für eine genaue Begutachtung der Gegend hatte ich ja noch morgen Zeit. Also bin ich jetzt direkt zum Haupt Ghat weitergeschlichen. Erst ein paar Meter vor den Treppen zum Ghat hinunter wurde der Betrieb weniger. Unten am Wasser hat es sich dann eher im Rahmen gehalten.

Ich habe mich mal genauer umgesehen und alle möglichen komischen Vögel, Heilige, Priester, Kitschverläufer, Ausgeflippte mit langen Bärten und den ein oder anderen weißen Rastaträger beobachtet. Ein unerschöpflicher Quell der Kuriositäten.

Am Wasser waren ein paar niedrige Plattformen aufgebaut. Hier fand dann wohl die abendliche Zeremonie statt.

 

 

Zuerst bin ich aber mal ein wenig flussaufwärts gegangen und nach Umschiffung von herumliegenden Gestalten mit wilder Haarmähne und roten Kitteln und herumliegenden Kühen und deren Kuhfladen dann beim Verbrennungsghat angekommen. Das müsste das Marnikarnika Ghat gewesen sein. Hier werden Leichen verbrannt. An ein paar Stellen waren auch Feuer am brennen. Die waren aber meiner Meinung nach zu klein für „echte“ Scheiterhaufen. Aber wer weiß. Als ich näher kam standen diverse Leute herum, die mich direkt mit „No Photo, No Photo“ anblafften. Is ja gut. Ich war von der ganzen Szenerie so dermaßen fasziniert, das ich gerade nicht auf die Idee kam Bilder zu machen.

Nach den No-Photo-Mahnern kamen dann diverse Priester (?) die einen einluden doch gerne näher zu kommen und sich die Feuer doch gerne von Nahem anzusehen. Dazu hatte ich aber jetzt gerade überhaupt keine Lust. Ich habe einen Respektabstand gehalten.

Gelesen habe ich, das die Feuer 24 Stunden brennen, die Verbrennungen aber immer erst nach Sonnenuntergang stattfinden. Die Dämmerung hatte gerade begonnen und ich konnte nun sehen, wie eine Leiche auf einer Trage herbeigetragen wurde und in den Ganges getaucht wurde. Dann wurde diese Person vorbereitet und anschließend um die Ecke zu einem großen Feuer getragen.

Den Rest habe ich mir nicht mehr angeschaut und bin stattdessen ein wenig konsterniert ob dem, dessen ich gerade Zeuge geworden bin, wieder Richtung Main Ghat (das Ding mit dem schwierigen Namen) zurückgegangen.

 

Jetzt mittlerweile dunkel hatte hier schon die abendliche Zeremonie begonnen. Mehrere Leute vollführen auf den Plattformen an den Ufertreppen diverse Verrenkungen und nebeln alles mit Feuer und Rauch ein. Dabei spielt laute Musik mit vielen Glocken und Schellen. Alles ist irgendwie goldig. Ich habe mich hier erst einmal ein wenig aufgehalten und zugeschaut. Unglaublich viele Leute waren hier. Und auf dem Wasser drängelten sich die Boote dicht an dicht. Alle Boote waren picke packe voll mit Touristen.

Ich bin dann ein Ghat weiter runter gegangen. Dort war die gleiche Zeremonie im Gange, allerdings offenbar weiter fortgeschritten. Und es war weniger Betrieb hier.  Später bin ich wieder zurück zum Main Ghat und habe da, jetzt eher im Hintergrund, noch lange Leute beobachtet. Vielen war die Zeremonie offenbar wirklich wichtig. Die haben teilweise ganz inbrünstig gefeiert und getanzt.

Als dann die Zeremonie zu Ende war, hat sich der ganze Betrieb verzogen und ich bin über die Main Market Road mit gefühlt noch viel mehr Menschen und Motoren dicht an dicht zum Hotel zurück geströmt. War schon ein wirklich krasser Unterschied. Kaum war man von der Straße aus dem Höllenlärm mit Hupe abgebogen in den Durchgang zum Hotel, war beim Hotel fast himmlische Stille.

 

Beim Restaurant im Innenhof brauchte man eine Engelsgeduld. Karte ist vegetarisch. Ich habe mal zwei Sachen ausprobiert. Beide nicht so sehr dolle. Für morgen muss ich mal was anderes suchen. Wenn alle halbe Stunde mal einer vorbeigeschlichen ist und man den angehalten hat, konnte man auch ein Bier bestellen. Insgesamt hatte ich den Eindruck, das wohl nicht ganz klar war, wer für das Restaurant, bzw. die wartenden Gäste, zuständig war. Man musste immer jemanden anhalten der zufällig vorbei kam. Irgendeiner, der konkret mal gefragt hat obs noch was ein darf, ist da den ganzen Abend nicht vorstellig geworden.

Gute Nacht.

Live Bericht vom Abend des 21.03.2016

 

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